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Kauen gehört zu den alltäglichsten Dingen, die wir tun, und erhält vielleicht aus diesem Grund nicht die Beachtung, die es eigentlich verdient. Dabei ist die uneingeschränkte und schmerzfreie Kaufähigkeit eine der Säulen, auf denen unser Wohlbefinden ruht – jeden Tag, ein Leben lang. Unter dem Motto „Gesund beginnt im Mund – Kau dich fit!“ weist der Tag der Zahngesundheit 2026 auf diesen wichtigen Zusammenhang hin.
Kauen wirkt sich auf vielfältige Weise positiv auf den Körper aus: Es unterstützt die Mundgesundheit durch das regelmäßige Training der Kiefermuskulatur. Indem wir unser Essen bereits im Mund zerkleinern und mit Speichel vermischen, fördern wir gleichzeitig Verdauung und Nährstoffaufnahme. Gute Kaufähigkeit unterstützt bei Kleinkindern die Sprachbildung und trägt im Alter zum Erhalt der kognitiven Fähigkeiten bei. Studienerkenntnisse deuten darauf hin, dass Kauen die Hirndurchblutung steigert (Momose et al., 1997). Darüber hinaus gibt es Hinweise aus experimentellen und epidemiologischen Studien, dass eine eingeschränkte Kaufunktion mit einem erhöhten Demenzrisiko assoziiert sein könnte (Cerutti-Kopplin, 2016).
Lernen, was wichtig ist
Kauen will früh geübt sein, betont Dr. Christian Rath, Geschäftsführer des Vereins für Zahnhygiene (VfZ): „Idealerweise gehen dafür bereits in der Kindheit gesunde Ernährung, regelmäßige Mundhygiene und Gesundheitsbildung Hand in Hand. Im Alltag von Krippen, Kindergärten und Schulen bedeutet das vor allem, dass Wasser und ungesüßte Getränke, kauaktive Lebensmittel in der Brotdose sowie das regelmäßige Zähneputzen selbstverständliche Bestandteile des Tages sein sollten.“
Eine Investition in die Gesundheit von Kindern – und damit in eine gesunde Zukunft – ist in diesem Zusammenhang die regelmäßige Gruppenprophylaxe in Kitas und Schulen, betont Dr. Justine Röhmel vom GKV-Spitzenverband (GKV-SV): „In der Gruppe und mit der richtigen Anleitung kaut und putzt es sich einfach besser. Die gesetzlichen Krankenkassen unterstützen die zahnmedizinische Gruppenprophylaxe in Kitas und Schulen, damit bei uns alle Kinder die Chance haben, die Grundlage für eine lebenslange gute Mundgesundheit früh zu erlernen.“
Auch der Bundesverband der Zahnärztinnen und Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BZÖG) unterstreicht die Bedeutung der Förderung der Mundgesundheitskompetenz bereits ab dem frühen Lebensalter. Darüber hinaus erkennt er einen erheblichen Unterstützungsbedarf für weitere Bevölkerungsgruppen. Der BZÖG betont zudem die Wichtigkeit zusätzlicher präventiver und gesundheitsfördernder Leistungen durch die Zahnärztinnen und Zahnärzte der Öffentlichen Gesundheitsdienste in speziellen Wohnformen für Menschen mit Einschränkungen und in stationären Einrichtungen der Altenpflege: „Die Stärkung der Zahnärztlichen Dienste und der ambulanten zahnärztlichen Versorgung und nicht der Abbau zahnärztlicher Stellen im Öffentlichen Gesundheitswesen oder die Kürzung von GKV-Leistungen, wie sie aktuell diskutiert werden, sollten zu den zentralen Zielen einer sinnvollen zahnmedizinischen Prävention und Gesundheitsförderung in Deutschland gehören.“
Für eine gesündere Gesellschaft
Lebenslange gute Kaufähigkeit hängt nicht nur davon ab, wie man isst, sondern auch, was man isst. Seit Jahren gibt es einen negativen Trend hin zum Konsum stark verarbeiteter, oft zu weicher Lebensmittel, säurehaltiger Getränke und Snacks wie Riegel und Chips sowie zu überhöhtem Zuckerkonsum. Zuckerreiche Ernährung fördert die Entstehung von Karies und begünstigt Entzündungen des Zahnfleischs, während säurehaltige Getränke Zahnerosionen verstärken. Der Zahnhalteapparat kann durch weiche, wenig kauintensive Lebensmittel nachhaltig Schaden nehmen.
Vor diesem Hintergrund wird deutlich, wie wichtig die lebenslange Förderung der Mund- und Zahngesundheit ist, unterstreicht Dr. Romy Ermler MBA, Präsidentin der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), anlässlich des diesjährigen Aktionstags: „Richtig zubeißen können bringt so viel für die Gesundheit. Ernährung und Kauen verdienen deshalb mehr Aufmerksamkeit. Der Tag der Zahngesundheit erinnert uns daran, dass gesunde Zähne kein Zufallsprodukt sind. Sie sind das Ergebnis bewusster Ernährung, funktionierender Kaufähigkeit, frühzeitiger Prävention und klarer politischer Rahmenbedingungen – für gesunde Münder, gesunde Menschen und insgesamt eine gesündere Gesellschaft.“
Zahnschmerzen verlaufen in der Regel harmlos. Schreitet eine Infektion im Mund jedoch unbehandelt voran, kann eine lebensbedrohliche Sepsis entstehen. Plötzlich schlägt der ganze Körper Alarm. Der Welt-Sepsis-Tag am 13. September rückt die schwere Erkrankung ins Bewusstsein.
Wie dramatisch der Verlauf einer Zahninfektion sein kann, zeigt der Fall des früheren NFL-Profis Mike Williams. Der Spieler der Tampa Bay Buccaneers starb 2023 im Alter von nur 36 Jahren an einer bakteriellen Sepsis. Auslöser war ein entzündeter Zahn. Der Fall zeigt: Was als Zahninfektion beginnt, kann sich unter ungünstigen Umständen zu einer gefährlichen Erkrankung entwickeln. „Sepsis ist ein echter Killer. Jedes Jahr sterben laut Sepsis Stiftung schätzungsweise 140.000 Menschen daran, die Dunkelziffer liegt mehr als dreimal so hoch. Sepsis zählt zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland“, so Dirk Kropp, Geschäftsführer der Initiative proDente e.V. „Umso wichtiger ist es, die Warnzeichen zu kennen und im Verdachtsfall sofort zu handeln.“
Wenn aus ‚krank‘ plötzlich ‚sehr krank‘ wird
Entzündungen am Zahn, der Zahnwurzel oder im Zahnfleisch bleiben meist auf den Mundraum begrenzt und lassen sich gut behandeln. Schreiten bakterielle Infektionen jedoch ungehindert voran können Krankheitserreger in die Blutbahn gelangen. Im schlimmsten Fall kann es zur Sepsis kommen. Der Organismus reagiert über, Organe werden geschädigt, Kreislaufversagen droht. Entscheidend ist, Veränderungen des Allgemeinzustands ernst zu nehmen. Typisch ist ein plötzliches, ungewöhnlich starkes Krankheitsgefühl. Auch Fieber, Schüttelfrost, Atemnot, Kreislaufprobleme, ein erhöhter oder verlangsamter Puls, auffallende Schwäche oder starke Schmerzen können auftreten. Besonders ernst sind Bewusstseinsstörungen wie Verwirrtheit oder Benommenheit. Auch blasse, fleckige oder ungewöhnlich verfärbte Haut warnt.
Sepsis hat viele Gesichter
Es gibt nicht das eine unverwechselbare Sepsis-Symptom. Häufig treten mehrere Beschwerden gleichzeitig auf, und der Gesundheitszustand verschlechtert sich innerhalb kurzer Zeit deutlich. „Kommt es nach einer Zahn- oder Zahnfleischentzündung zu massiven, vielfältigen Beschwerden, sollte sofort gehandelt werden“, sagt Dirk Kropp. „Sepsis ist immer ein medizinischer Notfall.“
Viele Fälle vermeidbar
Der Welt-Sepsis-Tag am 13. September erinnert jedes Jahr daran, Symptome frühzeitig zu erkennen und schneller zu handeln. Auch die Mundgesundheit spielt eine Rolle: Eine gute Zahnpflege und die rechtzeitige zahnärztliche Behandlung bei Infektionen reduzieren die Gefahr einer Sepsis deutlich.
Mit Bestürzung hat der Berufsverband der Deutschen Kieferorthopäden (BDK) auf den Vorfall in einer kieferorthopädischen Praxis in Erlangen reagiert. Nach Angaben der Polizei soll dort eine 14-jährige Patientin ihre behandelnde Kieferorthopädin mit einem Messer bedroht haben, nachdem diese sich geweigert hatte, gegenüber den Eltern der Jugendlichen das Ende der kieferorthopädischen Behandlung zu bestätigen. Die Kollegin und ihre Mitarbeitenden blieben glücklicherweise unverletzt.
Der BDK verurteilt jede Form von Gewalt, Bedrohung und Einschüchterung gegenüber Beschäftigten im Gesundheitswesen aufs Schärfste. Seine uneingeschränkte Solidarität gilt der betroffenen Kollegin und ihrem gesamten Praxisteam.
„Dass eine Kieferorthopädin bedroht wird, weil sie ihrer fachlichen Verantwortung nachkommt und sich nicht unter Druck setzen lässt, macht uns fassungslos“, erklärt Dr. Hans-Jürgen Köning, 1. Bundesvorsitzender des BDK. „Unsere Kolleginnen und Kollegen und ihre Praxisteams stehen jeden Tag für die Gesundheit ihrer Patientinnen und Patienten ein. Sie müssen ihre Arbeit ohne Angst vor Beleidigungen, Drohungen oder gar körperlicher Gewalt ausüben können.“
Besonders erschreckend sei, dass eine derartige Eskalation nach den bisherigen Erkenntnissen von einer erst 14-Jährigen ausgegangen sein soll. „Wenn bereits Jugendliche glauben, eine medizinische Entscheidung mit einem Messer erzwingen zu können, müssen bei uns allen die Alarmglocken schrillen. Eine solche Verrohung dürfen wir als Gesellschaft nicht hinnehmen“, so Köning. Der Vorfall steht für den BDK zugleich exemplarisch für eine Entwicklung, die weit über die Kieferorthopädie hinausgeht: Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte, Pflegekräfte, medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte sowie andere Gesundheitsberufe erleben zunehmend Beleidigungen, Drohungen und Aggressionen in ihrem beruflichen Alltag.
Köning mahnt deshalb auch zu einem verantwortungsvollen gesellschaftlichen und politischen Umgang mit den Menschen, die die Gesundheitsversorgung täglich sicherstellen:
„Es wäre selbstverständlich falsch, politische Äußerungen mit einem solchen konkreten Gewaltexzess in einen ursächlichen Zusammenhang zu bringen. Aber Sprache prägt gesellschaftliche Wahrnehmung. Wenn Beschäftigte im Gesundheitswesen Respekt und Schutz benötigen, sollten gerade diejenigen, die an der Spitze unseres Staates stehen, diesen Respekt auch sprachlich zum Ausdruck bringen. Ärztinnen und Ärzte als ‚Nutznießer‘ des Gesundheitssystems zu bezeichnen, wie dies der Bundeskanzler jüngst getan hat, trägt aus unserer Sicht jedenfalls nicht dazu bei, die notwendige Wertschätzung für ihre Arbeit zu stärken.“
Puls, Schlaf, Sprints, Ernährung, Regeneration: Im Profifußball wird jeder Leistungsfaktor akribisch geprüft. Und die Mundgesundheit? Spätestens seit der Zahn-OP von Jamal Musiala und den von Hansi Flick beim CF Barcelona eingeführten Zahn-Untersuchungen ist die Zahnmedizin im Profi-Fußball angekommen.
Eine deutsche Studie zeigt pünktlich zum Bundesliga-Start, warum der Zahn-Check genauso selbstverständlich zur Spielerbetreuung gehören sollte wie Leistungsdiagnostik, Blutbild und Physiotherapie. Einige Vereine haben das längst erkannt.
High Performance – außer beim Gebiss?
Bevor der erste Ball rollt, durchlaufen die Profis umfassende Checks: Bewegungsapparat, Herz-Kreislauf-System, Blutwerte – alles wird analysiert. High Performance bis ins Detail. Und Zähne und Zahnfleisch? Was nebensächlich klingt, ist ein wichtiger Baustein der Athletenbetreuung. Zahnschmerzen, Entzündungen des Zahnfleischs und andere Beschwerden im Mund belasten den Körper – und stören den eng getakteten Profi-Alltag. Hannover 96 hat deshalb die Mundgesundheit fest in die Betreuung integriert. Christoph Heckmann, Leiter Medien & Kommunikation, erklärt: „Der Zahn-Check gehört bei uns ganz selbstverständlich dazu – genauso wie andere regelmäßige Untersuchungen.“
50 Profis, zwei Sportarten, ein deutlicher Unterschied
Wie unterschiedlich es um die Mundgesundheit im Profisport steht, zeigt eine aktuelle Studie im Fachjournal ‚Sports‘. Untersucht wurden 50 männliche Profisportler: 29 Fußballer und 21 Eishockeyspieler. Das Team analysierte Plaque, Zahnfleischblutungen, den Zustand des Zahnhalteapparats, Karies und das Vorsorgeverhalten. Das Ergebnis: Die Fußballer schnitten in mehreren Kategorien deutlich besser ab. Ihr Approximalraum-Plaque-Index lag bei 29, der der Eishockeyspieler bei 48. Beim Papillen-Blutungs-Index waren es 14 gegenüber 42. Auch bei parodontalen Befunden zeigten die Fußballer bessere Werte. Zudem gingen sie häufiger zur Kontrolle und achteten stärker auf zusätzliche Mundhygiene.
Nicht warten, bis es wehtut
„Regelmäßige Untersuchungen der Mundgesundheit sollten im Profisport eine Selbstverständlichkeit sein“, sagt Dirk Kropp, Geschäftsführer der Initiative proDente e.V. Der Ansatz liegt auf der Hand. Profisport fordert den Körper – auch den Mund. Intensives Training fördert Mundtrockenheit, kohlenhydratreiche Ernährung und Sportgetränke belasten zusätzlich. Und der Terminkalender? Training, Spiele, Reisen, Regeneration – da rutscht der Zahnarztbesuch schnell nach hinten.
Der blinde Fleck im High-Performance-System
Auf Beschwerden zu warten, widerspricht der Logik des modernen Profisports. Niemand wartet mit der Leistungsdiagnostik, bis die Kondition nachlässt. Warum also bei den Zähnen? Durch regelmäßige Checks der Zahngesundheit können Probleme erkannt werden, lange bevor sie Beschwerden verursachen. Auch Eintracht Frankfurt hat das Thema längst verankert. Seit 2020 gehört die Mundgesundheit dort fest zur Spielerbetreuung. Mediensprecher Bartosz Niedzwiedzki betont: „Zahngesundheit ist für uns ein unverzichtbarer Bestandteil der Betreuung.“
Zahn-Check: kein Nice-to-have
Der moderne Fußball sucht ständig nach dem letzten Prozent Leistungssteigerung. Training wird individualisiert, Belastungen in Echtzeit überwacht, Ernährung auf den Spieler abgestimmt, Schlaf zur Leistungsvariable erklärt. Umso erstaunlicher, dass ein Bereich vernachlässigt wird, der sich leicht kontrollieren lässt. Die Studie zeigt zwar keinen direkten Zusammenhang zwischen Zahnuntersuchungen und sportlicher Leistung, macht aber deutlich: Zahngesundheit ist im Spitzensport ein oft unterschätztes Thema. Mundgesundheit ist kein Beauty-Thema, sondern professionelle Spielerbetreuung von Kopf bis Fuß gedacht.